Was ist ein Diamant Zertifikat?

Ein Zertifikat für Diamanten wird auch Diamantgutachten oder Expertise genannt. Zertifikate werden von unabhängigen gemmologischen Instituten wie beispielsweise GIA, IGI oder HRD erstellt. Dort prüfen, messen und bewerten Diamantgutachter und Gemmologen die Steine neutral und anonymisiert, d.h. ohne zu wissen, wem sie gehören. Die Arbeitsweise ist hochprofessionell und unter Einsatz modernster wissenschaftlicher Geräte. Die Zertifizierung erfolgt nach einheitlichen, vergleichbaren Standards und liefert reproduzierbare Ergebnisse. „Schauen Sie mal wie der Stein funkelt“ – das war gestern. Qualität ist heute keine Meinungsfrage mehr.

Eine solche unabhängige Bewertung macht Zertifikate zu einer objektiven Qualitäts- und Tatsachenfeststellung.

Neben den „4C“ – Farbe, Reinheit, Schliff und Karatgewicht (Color, Clarity Cut and Carat Weight) – werden Politur, Symmetrie und Fluoreszenz beschrieben. Im Zertifikat werden ebenfalls die Maße und Proportionen sowie gegebenenfalls Kommentare festgehalten. Gutachten größerer Diamanten enthalten zudem Skizzen über Art und Position von äußeren und inneren Merkmalen (Einschlüsse).

„Zertifikate garantieren Qualität.“

GIA Zertifikat
IGI Zertifikat
HRD Zertifikat

Der Diamanthandel heute

Heutzutage sind Zertifikate Standard im Diamanthandel und beim Schmuckverkauf. Die drei großen gemmologischen Institute – Gemological Institute of America (GIA), International Gemological Institute (IGI) und Hoge Raad voor Diamante (Hoher Rat für Diamanten, HRD) – arbeiten nach einheitlichen Kriterien. Die neutrale Bewertung Dritter spielt eine Schlüsselrolle im internationalen Diamanthandel: Selbst die teuersten Diamanten werden weltweit nur nach Zertifikat gekauft – ohne den Stein vorab gesehen zu haben. Manche gehen sogar noch einen Schritt weiter und sehen Diamanten auf dem Weg zu einer Assetklasse, weil die Edelsteine durch die Zertifizierung immer leichter zu vergleichen sind.

„Zertifikate machen Diamanten vergleichbar.“

 

Diamanten kaufen mit Zertifikat

Zertifizierte Diamanten haben viele Vorteile. Insbesondere der Privatmann weiss durch die Dokumentation auch 10 Jahre nach dem Kauf genau was für einen Diamanten er besitzt. Das schafft Vertrauen und erleichtert immer auch einen möglichen Wiederverkauf des Steins. Aber heisst das, dass wirklich jeder Diamant zertifiziert sein muss? Nein. Tatsächlich lohnt sich eine (kostenpflichtige) Zertifizierung erst bei größeren oder sehr werthaltigen Steinen. Deshalb zertifiziert man Diamanten in der Regel erst ab einer Steingröße von 0,50 Karat. So stehen Kosten und Nutzen im Verhältnis.

„Ein Zertifikat hilft beim Wiederverkauf.“

Smaragd Schliff
Marquise Schliff
Princess Schliff

Lasergravur der Zertifikatsnummer

Mittlerweile tragen die meisten zertifizierten Diamanten eine Lasergravur der Zertifikatsnummer auf der Rundiste, also auf dem „Gürtel des Diamanten“. Die Zertifikatsnummer lässt sich mit dem geübten Auge mit Hilfe einer 10-fach vergrößernden Lupe einsehen. So lässt sich ein Zertifikat leicht dem jeweiligen Diamanten zuordnen. Im Idealfall wird der Stein im Schmuck so gefasst, dass die Lasergravur nicht von einer Krappe verdeckt wird. Dies macht die Identifizierung bequem und schafft Transparenz.

„Das Zertifikat dem Diamanten zuordnen.“

 

IGI Lasergravur
Synthetischer Diamant Lasergravur

Was kostet ein Zertifikat?

Die Kosten für ein Zertifikat variieren je nach Steingröße und Qualität. Hinzu kommt maßgeblich der versicherte Hin- und Rückversand. Im Fall von IGI oder HRD ins Labor nach Antwerpen, bei GIA muss der Diamant nach Amerika geschickt werden, da kein Standort in Europa betrieben wird.

Ein Beispiel: Bei einem Marktwert von 10.000 Euro lohnt sich der Aufwand von 400 Euro für ein aktuelles Zertifikat. Liegt der Wert des Diamanten nur bei 500 oder 1.000 Euro, stehen Aufwand und Kosten nicht im Verhältnis. Wir empfehlen daher diesen Punkt vorab schätzen zu lassen. Gerne helfen wir Ihnen beim Verkauf, der Zertifzierung oder einer kostenfreien Vorabeinschätzung.

„Vorab prüfen, ob sich eine Zertifizierung lohnt.“

 

Diamanten oder Schmuck verkaufen – brauche ich ein Zertifikat?

In der Regel kauft man heute Diamanten mit Zertifikat. Oft geht es dem Käufer allerdings einfach um ein schönes Schmuckstück, das funkelt und glänzt. Im Ladengeschäft kauft der Kunde Schmuck wie gesehen. Dabei ist die Dokumentation durch ein Zertifikat für viele zweitranging.

Beim Verkauf eines Schmuckstückes an privat ist es wiederum von Vorteil zu wissen was man seinerzeit gekauft hat. Dabei ist eine unabhänge Meinung Dritter für den potentiellen Käufer hilfreich und schafft Vertrauen.

Wichtig an dieser Stelle

Wenn Sie Diamanten in Deutschland verkaufen wollen, reicht in der Regel auch ein in Deutschland erstelltes Zertifikat. Wollen Sie allerdings einen Diamanten international verkaufen, benötigen Sie ein international anerkanntes Zertifikat (Beispiel: GIA, IGI oder HRD). Ein Händler an der Diamantbörse wird eher einer international renommierten Expertise Vertrauen schenken als einem kleinem, lokalen Institut – unabhängig davon, ob dieses die beste Arbeit macht und exakte Ergebnisse liefert.

Sie sind sich nicht sicher über die beste Vorgehensweise um Ihren Diamanten zu verkaufen? Fragen Sie uns, wir helfen Ihnen gerne weiter.

Wertgutachten
Zertifikat oder Wertgutachten?

Zertifikat oder Wertgutachten

Als Qualitäts- und Tatsachenfeststellung dokumentieren Zertifikate die Gegebenheiten und Fakten. Im Vergleich dazu beziffert ein Wertgutachten den Wiederbeschaffungswert im deutschen Einzelhandel. Beim Schmuckverkauf ist der Wiederbeschaffungswert nur bedingt hilfreich, weil er Steuern, alle Händlermargen und Kosten enthält. Ein Wertgutachten ist kein Kaufangebot, das Sie realisieren können. Kaufangebote im Handel orientieren sich in erster Linie am Materialwert: Für welchen Preis kann man derzeit einen vergleichbaren Diamanten oder ein vergleichbares Schmuckstück kaufen?

Worauf der Ankäufer achtet, wenn Sie
Diamanten verkaufen
Schmuck verkaufen

Juwelier-„Gutachten“ oder „Hauszertifikat“

Zertifikate, die vom Juwelier selbst für seine eigenen Schmuckwaren – oft handschriftlich – ausgestellt werden, sind beim Wiederverkauf selten hilfreich. Solche Hauszertifikate sind nicht zu vergleichen mit Gutachten international renommierter gemmologischer Institute. Diese verfügen über viel mehr Fachwissen und haben ganz andere technische Möglichkeiten. Deswegen unterscheiden sich „Hauszertifikate“ hauptsächlich in der Genauigkeit und Auslegung der einheitlichen Bewertungskriterien. Liefert ein Zertifikat keine vergleichenbaren Ergebnisse hat es keinen objektiven Wert, sondern ist bestenfalls eine schriftliche Meinungsäußerung.

Alte Zertifikate

Im Laufe der Jahre wurden die Bewertungskriterien gemäß dem technischen Fortschritt stets verbessert und international vereinheitlicht. Daher empfiehlt es sich bei zu alten Zertifikaten eine neue, aktuelle Expertise anfertigen zu lassen. Insbesondere beim Verkauf von größeren oder sehr werthaltigen Diamanten kann das den Weiterverkauf vereinfachen und beschleunigen.

Zertifizierte Diamanten

Im Folgenden finden Sie eine Auflistung ausgewählter gemmologischer Prüflabore.

GIA – GEMOLOGICAL INSTITUTE OF AMERICA

Das Gemmologische Institut Amerikas (GIA) wurde seit der Gründung 1931 im Laufe der Zeit zum weltweiten Standard für gemmologische Untersuchungen und Bewertungen. International angesehen ist GIA für das hohe Niveau und die verlässliche Qualität der Zertifikate sowie zahlreiche Beiträge zu Forschung und Entwicklung. Ein besonderer Verdienst ist die Standardisierung und Vereinheitlichung gemmologischer Bewertungsgrundlagen: Die berühmten „Vier C“ wurden von GIA als Grundlage für eine gemeinsame Sprache bei der Bewertung von Diamanten eingeführt. Der Status als Nonprofit-Organisation gewährt GIA ein zusätzliches Maß an Integrität. Der einzige Nachteil momentan: Aufgrund der hohen Nachfrage und langer Wartezeiten dauert eine Zertifizierung derzeit ca. 5 Wochen. GIA hat keinen europäischen Standort, entsprechend kommen noch die Versandkosten und -zeiten hinzu.

Neben dem regulären großen Zertifikat mit Skizze der Einschlüsse stellt GIA auch sogenannte „Diamant-Dossiers“ aus. Diese sind etwas günstiger und haben einen kleineres Format ohne Skizze. In der Regel werden diese für kleinere Diamanten unter 0,50 Karat genutzt.

GIA Zertifikat
GIA Zertifikat mit Skizze
GIA Dossier
GIA Dossier (kleines Format)

IGI – INTERNATIONAL GEMOLOGICAL INSTITUTE

Das Internationale Gemmologische Institut (IGI) wurde 1975 in Antwerpen, Belgien, gegründet und gehört heute zu den führenden internationalen gemmologischen Instituten. IGI ist das größte zentral geführte gemmologische Labor weltweit und hat über 450 Mitarbeiter. Jedes Jahr werden über eine Millionen Zertifikate erstellt. Bei der Diamantbewertung orientiert sich IGI an den amerikanischen Standards von GIA was Farbe und Reinheit angeht, während die Bestimmung des Schliffes an den IDC-Regeln ausgerichtet ist. Viele sehen in IGI das europäische Gegenstück zu GIA. Ähnlich wie GIA stellt IGI größere Zertifikate mit einer Skizze der Einschlüsse aus. Daneben gibt es eine kleinere Variante ohne Skizze. Diese wird bei IGI „Diamond Identification Report“ genannt.

IGI Diamond Report
IGI Diamond Report
IGI Diamond Identification Report
IGI Diamond Identification Report

HRD – HOGE RAAD VOOR DIAMANT (Hoher Rat für Diamanten)

Seit der Gründung im Jahr 1976 in Antwerpen, Belgien, ist HRD eine international renommierte gemmologische Institution. Die ISO Akkreditierung (EN ISO/IEC 17025) garantiert hohe Qualitätsstandards der Graduierung und der Arbeitsprozesse, die extern und unabhängig geprüft werden. Die praktische Diamantgraduierung bei HRD richtet sich nach den Bewertungsregeln des IDC (International Diamond Council). Seit August 2014 wurden die Regeln leicht den amerikanisch dominierten Marktverhältnissen angepasst. HRD Antwerp ist eine kommerzielle Organisation. Der Eigentümer, AWDC (Antwerp World Diamond Center), ist allerdings eine halbstaatliche Institution zur Förderung der Diamantbranche in Belgien. HRD ist sehr beliebt in Europa und Asien (insbesondere Dubai) und gilt mit seinem Sitz in Antwerpen als eine solide Alternative zu GIA.

HRD Zertifikat
HRD Zertifikat

DPL – DIAMANTPRÜFLABOR

Die Diamant Prüflabor GmbH in Idar-Oberstein ist seit ihrer Gründung 1977 eine deutsche Institution für die Bewertung von Diamanten. Mit Sitz im Haus der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft eV (DGemG) und als Mitglied des IDC ist DPL bestens vernetzt. DPL firmiert zwar als GmbH, nimmt aber weder Wertbestimmungen vor, noch beteiligt sich die Gesellschaft am Diamanthandel. Ein weiterer Punkt für die Objektivität und Neutralität ist die anonyme Begutachtung der Diamanten im Labor durch mehrere Gutachter. Und: DPL haftet uneingeschränkt für die Richtigkeit ihrer Expertisen.

EGL International und EGL USA

Das „European Gemological Laboratory“ in Belgien gibt es bereits seit 1974. EGL ist heute ein anerkannter, wenn auch manchmal umstrittener Markteilnehmer in der Diamantbranche. EGL USA arbeitet seit 1986 als eigenständiges gemmologisches Institut. Weder EGL International noch EGL USA sind Nonprofit-Organisationen. Eine Besonderheit der EGL Zertifikate ist der Reinheitsgrad „SI3“. Allgemein gilt dieser als „augenreine“ bzw. etwas schönere Diamanten mit dem Reinheitsgrad „I1“. Diese Nomenklatur existiert zwar seit längerem, hat sich aber nicht weitläufig etabliert. Diamanten mit EGL Zertifikaten werden meist günstiger angeboten als vergleichbare Edelsteine, die von anderen Instituten zertifiziert wurden. In der Regel weisen EGL zertifizierte Diamanten eine ein bis zwei Stufen bessere Reinheit aus als dies in einem vergleichbaren GIA oder IGI Zertifikat der Fall wäre.

Weitere Hinweise

Bei der Zertifizierung von Diamanten geht es in der Regel um Nuancen in den Proportionen, Winkeln und deren Bewertung. Auch spielen kulturelle Aspekte eine Rolle: Beispielsweise bevorzugt man in Europa beim Brillantschliff größere Tafeln, damit dadurch die Brillanz maximiert wird. In Amerika hingegen gilt ein Brillant mit möglichst viel Feuer, also einer kleineren Tafel, als Maß der Dinge. Hier gibt es kein besser oder schlechter, da es sich lediglich um andere Schönheitsideale bzw. Schönheitsmaße handelt.

Institutionen wie der IDC (International Diamond Council, gegründet 1975 durch die Weltverbände der Diamantbörsen und Diamantschleifereien) halfen dabei, die Regeln der Diamantgraduierung zu vereinheitlichen. Heutzutage ist der Diamant der am besten erforschte Edelstein. Durch die sich ständig verbessernden technischen Möglichkeiten wie automatisierte Schleifmaschinen, Maschinen zur Farbbestimmung sowie optische Tastgeräte zur Feststellung der exakten Maße und Proportionen werden menschliche Fehler mehr und mehr ausgeschlossen und die Diamantgraduierung objektiver. Nichtsdestotrotz geht es in der Diamantgraduierung immer noch um den „Charakter“ bzw. das Erscheinungsbild des Edelsteines. Das heißt, gerade in der Reinheitsbestimmung wird nicht quantifiziert, sondern qualifiziert und das Ergebnis ist eine subjektive Auffassung mit Ermessenspielraum, die sich jedoch mit entsprechender Ausbildung innerhalb sehr enger Grenzen reproduzieren lässt.